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Tagua

Daumenring im mandschurischen Stil aus Tagua

Mit Tagua werden die unter dem Namen Phytelephas macrocarpa fungierenden Samen einer Gattung der Steinnusspalmen (Phytelephas) bezeichnet, welche umgangssprachlich auch als Steinnuss, Taguanuss oder Corozonuss bekannt sind.
Die Gewächse sind in Ecuador, Panama, Columbien, Brasilien und Peru anzutreffen.

Eine weitere, aus der lateinischen Bezeichnung herrührende Bezeichnung für die Samen lautet „pflanzliches Elfenbein“.

Die Größe der Nüsse schwankt zwischen der einer größeren Walnuss bis hin zu der eines übergroßen Hühnereis. 

Taguanuss

Ihr weißes Fruchtfleisch befindet sich unter einer dünnen, narbenartigen, braunen Schale, ist bei der Ernte weich und verfestigt sich durch Trocknen.

Taguanüsse - längs aufgesägt

Tagua ist im getrockneten Zustand ähnlich hart, aber leichter als Knochen, Geweih oder Elfenbein jedoch schwerer als Horn.

Es ist, ungeachtet seiner pflanzlichen Herkunft, unempfindlich gegen Witterungseinflüsse, insbesondere Nässe, resistent gegenüber Handschweiß sowie unempfindlich gegenüber Schlag, Stoß und Abrieb.

Das Material vereint aufgrund seiner Struktur letztlich die Eigenschaften entsprechender Festigkeit, sehr geringen Gewichts, sehr guter Permeabilität, Rutschhemmung bei Feuchtigkeitskontakt bei gleichzeitig unterbleibender, absoluter Stopwirkung sowie Feinporigkeit zur Vermeidung von Scheuerstellen.

Hinsichtlich dieser Absorption von Handschweiß ist der Werkstoff Leder, Holz, Horn, Knochen, Geweih überlegen, übertrifft sogar (tierisches) Elfenbein:
Feuchtigkeit wird in der Ringinnenseite nahezu schwammartig aufgesaugt und zur Ringaußenseite abgeleitet, wobei der Ring trotzdem beweglich auf dem Finger bleibt, jedoch nicht rutscht.

Aufgrund seiner Dichte fühlt sich das Material im polierten Zustand angenehm seidig – samtig - glatt, jedoch nicht rutschig an.

Diese Faktoren führen schlussendlich dazu, dass mandschurische Daumenringe aus Tagua noch schusskomfortabler als solche aus (tierischem) Elfenbein sind.

Hinzu kommt die Unbedenklichkeit des Materials unter Artenschutzgesichtspunkten. 

Der Nachteil des Materials liegt in dem aufgrund seiner Härte erhöhten Aufwand bei der Bearbeitung sowie der Anfälligkeit für Rissbildungen, wenn im Zuge der Verarbeitung hohe Temperaturschwankungen auftreten sollten.

Möglicherweise stellt für Anfänger das geringe Gewicht des Materials auch einen gewissen Nachteil dar, da jenes das am Anfang der Schießpraxis notwendige „Gefühl“ für den Ring und dessen Handhabung gleichsam aufhebt.

Weiterhin sind Größe und Form der Nüsse oft ein Hinderungsgrund für die Verwendung als Werkstoff für mandschurische Daumenringe:
Denn für solche werden recht große Nüsse benötigt, welche oft nur schwer erhältlich sind.

Darüber hinaus wird die Verwendung dadurch verkompliziert, dass die Nüsse im Inneren meist einen kleinen, sternförmig nach allen Seiten auslaufenden Hohlraum aufweisen, dessen genaue Lage durch ehemaliges, unstetes Wachstum sowie die Trocknung bedingt ist und vom Verwender nicht sicher vorhergesagt werden kann. Es ist daher oft eine Sache des Glücks, eine Nuss zu finden, welche sich auch von ihrer inneren Struktur her als geeignet erweist. 

Daumenring im mandschurischen Stil aus Tagua und unbearbeitete, getrocknete Taguanuss

Aufgrund des Voranstehenden ist mit einem Arbeitsaufwand von circa 10 Stunden reiner Handarbeit für die Anfertigung eines mandschurischen Ringes zu rechnen.

Die Materialkosten pro Ring sind an sich gering, jedoch davon abhängig, wie viele Nüsse als Rohmaterial erworben werden müssen, bis sich eine für die Herstellung Geeignete findet.