German Arabic Chinese (Simplified) English French Russian Spanish

Schulterpositionierung

Wesentliche Komponente der Ausrichtung des erwähnten Kraftdreiecks ist die Fixierung des Schenkels aus Bogenarm-Bogenschulter-Wirbelsäule-Zugschulter.

Entscheidend ist, dass sich diese Bestandteile während des gesamten Prozessablaufes auf einer Linie befinden und sich diese Position nicht verändert.

Denn dadurch gewährleisten sie zum einen, dass die ihnen letztlich zugrundeliegenden, skelettalen Bestandteile als Gerüst einen Großteil des Zuggewichts tragen:

Das heißt, dass der Schütze, insbesondere zum Ende des Auszuges, wenn die Zugkräfte am größten werden, erheblich weniger an Last durch aktive Beteiligung und Einsatz der Muskulatur bewältigen muß.

Er kann sich in Ruhe auf den zu jenem Zeitpunkt wesentlichen Zielvorgang bzw. die Expansion konzentrieren. Die Ausnutzung der derart positionierten, anatomischen Struktur ermöglicht ein erhebliches Mehr an möglicher Zuggewichtsbewältigung und Halten, als bei einem größtenteils nur durch Muskelarbeit geriertem Bewegungsablauf oder Haltearbeit.

Das funktioniert jedoch nur bei korrekter, linearer Ausrichtung der Bestandteile:

Diese müssen derart positioniert werden, dass sie - wie beispielsweise bei einem Gerüst ein Träger -  in eine Linie gestellt werden, welche von der Wurzel der Bogenhand ausgehend über das Ellenbogengelenk direkt mittig auf das (Bogen-) Schultergelenk trifft, dieses durchquert und durch die Wirbelsäule austretend in gleicher Weise auf das (Zug-) Schultergelenk trifft.

Jenes führt letztlich dazu, dass durch diese Linie laufende Kräfte von der Knochenstruktur getragen werden, einfach kontrolliert werden können und sich bei einem Angreifen gleicher Kräfte aufheben oder totlaufen, ohne dass anatomisch schwächere Strukturen wie Muskulatur dazu eingesetzt werden müssten.

Idealkraftverläufe im flachen Kraftdreieck

Knickt diese Konstellation - etwa aufgrund eines wegen ausladender Ellenbogenstellung abgewinkelten Bogenarms oder einer im Bogenschultergelenk eingeknickter oder eingerollter Schulter - ein, zerbricht und wird vom Dreieck zum Polygon, wirken die Kräfte nicht mehr in den erwähnten Idealrichtungen (sog. "Querkraftentstehung").

Dies lässt dieses das Stabilitätsgerüst und somit die Schußstabilität zusammenbrechen und den Schuss misslingen bzw. vernichtet jegliche Reproduzierbarkeit desselben.

zebrochenes Kraftdreieck / Polygon mit entstandenen Querkräften

Zum anderen beeinflusst die Stellung dieses Dreiecksschenkels berechenbar die Ausrichtung des Kraftvectors Pfeil:

Aufgrund der (anatomisch bedingten) Verbindung der beiden Schenkel Bogenarm-Bogenschulter-Wirbelsäule-Zugschulter einerseits sowie Zugschulter-Zugarmoberarm-Zugarmellenbogen andererseits mit der Basis (Kraftvector Pfeil) bewirken Veränderungen der Stellung des erstgenannten Schenkels zwangsläufig die Ausrichtung der Basis/Kraftvectors Pfeil und letztlich eine (eindeutig vorhersehbare) Verschiebung des Trefferbildes.

Ist der Schenkel in sich gerade, so wird die Auswirkung berechenbar und sorgt so für reproduzierbare Schießergebnisse.

Schließlich hilft eine derartige Ausrichtung, Verletzungen im Schulterbereich zu vermeiden, insbesondere angesichts des bei mandschurischen Bogen zu erwartenden Handschocks, der sich bis in die Schütter des Bogenarmes fortsetzen kann.

Infolge dessen ist die Positionierung des Schenkels Bogenarm-Bogenschulter-Wirbelsäule-Zugschulter und deren Erhalt entscheidendes Element des Schusses und auch eine potentielle Hauptfehlerquelle.

Sie beeinflusst, ob und in welche Richtung letztlich der Pfeil fliegt, ob der Pfeilflug gerade ist oder nicht.

Fehler beim „Lösen“, ein Herausdrehen, Herausreißen des Bogens aus der „Schusslinie“ oder Ähnliches haben keinen derartig gravierenden Einfluss auf Pfeilflug und letztliches Treffen, wie Unstimmigkeiten bei der Ausrichtung oder Erhaltung der Schulterpositionierung.

Aufgrund dessen sollte bereits nach dem Einhaken und nicht erst später der Schenkel Bogenarm-Bogenschulter-Wirbelsäule-Zugschulter im Hinblick auf das Ziel wie folgt positioniert und fixiert werden:

Angesichts der hier prädestinierten Auszugsweise hat es sich als vorteilhaft erwiesen, sich bei flach am Oberkörper anliegendem Zugarm und aufrechter Haltung eine dünne Leiste zu denken, welche brustseitig an der Zugschulter bzw. dem dort ansetzenden Oberarmkopf und auf der Brust „fixiert“ ist und somit eine starre Einheit geriert.

Der Bogenarmellenbogen wird in eine Flucht, in direkte Verlängerung dieser „Leistenlinie“ gebracht.

Schulterpositionierung

Der Unterarm des Bogenarmes ist im Ellenbogengelenk rechtwinklig angebeugt.

Schulterpositionierung  Schulterpositionierung

Dadurch wird mittelbar der Schenkelhals Bogenarm (Ellenbogen)-Bogenschulter-Wirbelsäule-Zugschulter fixiert. Nur dem Unterarm der Bogenhand bleibt ein gewisses Spiel; die Ausrichtung ist jedoch durch die Stellung der übrigen Komponenten ausreichend determiniert und fixiert.

Diese Linie wird darauf im rechten Winkel zur horizontalen Ebene des Zieles hin ausgerichtet – und zwar ebenso, wie man die Stellung der Fußspitze des hinteren Fußes des Standes zum Ziel positioniert.

Sie wird im Zuge dessen jedoch nicht direkt auf das Ziel ausgerichtet, sondern nur in der Form, dass sie im rechten Winkel die Horizontalebene am linken Rand des Zieles trifft, mithin „am linken Rand des Ziels kratzt“.

Diese Form der Ausrichtung ist ein optisches Hilfsmittel oder eine mittelbare „Eselsbrücke“, da der Schütze sich selbst und somit den eigentlichen Schenkelhals Bogenarm-Bogenschulter-Wirbelsäule-Zugschulter nicht sehen und sich oft auch nicht vorstellen kann.

Die Linie hat mit derer eigentlichen Positionierung des Schenkelhalses also nur mittelbar etwas zu tun. Sie symbolisiert eher die Richtung des Kraftvectors Pfeil - welche die notwendige, in sich starre Ausrichtung des Schenkelhalses jedoch nach sich zieht.

Durch diese Konstellation kommt die eigentliche Kraftlinie/die eigentliche Lage des Kraftvectors Pfeils, welche sich aufgrund der Breite des Torsos des Schützen etwas weiter rechts befindet, nahe des Zielbereichs zu liegen.

Sie wird später durch eine minimale Drehung des Schenkelhalses beim Auszug endgültig in jenen verschoben werden.

Dieses Vorgehen bezüglich der Positionierung funktioniert aufgrund der über die beiden besagten Punkte fixierten Ausrichtung der Erfahrung nach unabhängig der Entfernung des Zieles vom Schützen.

Beim nachfolgenden Auszug darf sich diese starre Ausrichtung des Schenkelhalses Bogenarm-Bogenschulter-Wirbelsäule-Zugschulter in sich – nicht dieselbe zum Ziel - nicht verändern.

Sie wird sich nur dergestalt insgesamt verschieben, als der sie (einen Rechtshandschützen unterstellt) beim Auszug durch eine leichte Drehung minimal (!) nach rechts neben das Ziel wandert  – während sich die Richtung des durch den Daumen als Richtungsanzeiger und Abschussrampe symbolisierten Kraftvectors Pfeil endgültig in das Ziel verschiebt.

Schulterpositionierung im Vollauszug  Schulterpositionierung im Vollauszug

Dabei darf es insbesondere nicht zu einem Hineinschieben oder Hineinrollen der Schulter des Bogenarmes zur Sehne hin kommen, etwa in dem Bestreben, das Kraftdreieck möglichst flach zu halten und den Schenkel des Bogenarmes nahe an den eigentlichen Kraftvector Pfeil zu bringen.

Fehler eingerollte Bogenschulter Fehler eingerollte Bogenschulter

Denn dieses führt letztlich zu einem Zerbrechen der Geradlinigkeit des Schenkelhalses, damit des Kraftdreiecks und verkehrt die gerade beabsichtigte Stärkung des Haltesystems in das Gegenteil:

Die Stabilisation durch das Skelettgerüst entfällt und muß von dem – im Bereich der Schulter oft genug nicht sehr kräftigen – Muskel-, Sehnen- und Bandapparat übernommen werden.

"zerbrochenes" Kraftdreieck / instabiles Polygon

Das gelingt jedoch meist nicht bzw. nicht über längere Zeit.

Außerdem setzt es den in diesem Bereich ohnehin recht verletzungsgefährdeten Sehnen- und Bandapparat der Schulter – hier die Supraspinatussehne und deren Ansätze sowie die lange Bizepssehne nebst deren Ansatz- und Führungssystemen - unnötigen Verletzungsgefahren aus, die durch die teilweise Fortsetzung des typischen Handschocks mandschurischer Bogen auf den Bogenarm und die Bogenschulter noch potenziert werden.